weils einfach sexy ist

weil die nachrichten immer beschissener werden

weil es langsam knapp wird

ronja wollte nur mal anmerken….

scheiß woche
scheiß wetter
gute nacht… scheißland

Ronja und Robert Stadlober

Wein-Zigaretten-ca.1000 Blätter-eine rote Socke und ein verschmitztes Lächeln zum Schluss
oder auch
„Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt“

Ronja machte sich heute mal auf den Weg, verließ die warme Wohnung, kämpfte sich über Brücken und Bäche durch Wälder und Tunnel durch die Zivilisation und Crusten zum Conne Island Leipzig.
Der Anlass dieser Strapazen: eine Lesung der Tagebücher von Mihail Sebastian, einem jüdischen Schriftsteller, der in Rumänien lebte und in seinen Tagebüchern vom schleichenden Anbrechen des Nationalsozialismus bis zur Befreiung schrieb. Gelesen und inszeniert von Robert Stadlobers und Thomas Ebermann.
Um punkt halb Acht und keine Minute früher öffneten nun die Tore oder auch die alte Metalltür und es durfte eingetreten werden. Bereits 5 Minuten vor Öffnung erinnerte der Hof eher an den ersten Bananenverkauf, nur eben auf dem Hof der städtischen Universität, also schlug ich mich weiter durch Wursthaare und Cordjacken ins Island Innere, saß nur 45 Minuten und dann trat auch schon Thomas Ebermann auf die Bühne, sprach ein kurzes Vorwort und erklärte die Situation in Rumänien von 1934-45.
Dann die ersten Worte über die Lautsprecher, Robert Stadlober lief nach vorn und begann zu lesen, kletterte auf die Bühne und las die von Mihail Sebastian verfassten Worte in einer trockenen und doch dramatischen Art.
Er las von der Arbeit als Autor, dem Leben mit Freunden und wie diese sich veränderten, der politischen Situation und ihr Akzentuieren im Faschismus und von einer Frau namens Leni mit der Mihail Sebastian eine nervenzehrende Beziehung pflegte und eigentlich nie aufhörte, sie zu lieben.
Robert Stadlober wechselte stets zwischen 4 Standorten: einem Tisch mit einem Wasserglas, einem Tisch mit Aschenbecher und Weinflachen, dem Rand der Bühne und einer alten staubigen Zonencouch.
Nach der Pause, die von der Hälfte des Publikums erstmal als Ende verstanden wurde und Thomas Ebenman diese wieder zurück rief, ging es weiter mit noch weniger Requisiten (nur noch einem Tisch), der selben Spielweise, in der dem Autor selbst kaum emotionale Regungen außer Echauffieren, leichte Besorgtheit und eine beginnende Gleichgültigkeit zugewiesen wurden. Trotzdem las Robert Stadlober in einer Art, die das Publikum nur fesseln konnte. Jeder konnte sich vorstellen, wie alle Juden Bukarests ihre Ski abgeben mussten und was für eine Abartigkeit in der Repression gegen Juden lag. Wie er es machte, weiß ich nicht, aber dieser Junge mit dem grauen Jackett sowie einer roten und einer schwarzen Socke schaffte es, das Publikum mit einem Tisch und einer Lampe in die Wohnung und in das Leben Mihail Sebastians zu ziehen, Emotionen heraus zu kitzeln, die echt sein mussten, keine Tränen und laute Jubelschreie, jedoch Bestürzen und innerliche Freude (zum Zeitpunkt der Befreiung).
In den letzen Worten schrieb Mihail Sebastian, dass ganz Deutschland zerstört werden müsste, um zumindest ein Teil der Schuld zu sühnen. Der Satz, für den es sich doch gelohnt hätte zu jubeln, aber dieser blieb aus. Jedoch der gefühlte stundenlange Applaus am Ende der Vorstellung zeigte wohl, dass nicht nur Ronja, sondern auch alle anderen begeistert waren von der Schlichtheit und der trotzdem oder gerade deswegen vorhanden Ergriffenheit durch das Stück. Der Applaus hielt so an, dass Robert Stadlober noch dreimal sich verbeugen musste und das Grinsen verschmitzter und sympathischer wurde, das sonst harte und ernste Gesicht brachte doch tatsächlich ein Lächeln hervor…
Ronjas Tipp: jeder, der die Möglichkeit hat diese Aufführung zu sehen, sollte sie wahrnehmen.
Leider wollten die Partypeople der danach folgenden Benefizdisco bald raven, so das Ronja wieder in diese saumäßige Kälte musste und jetzt Halsschmerzen hat.